Für die Impfung mit dem AstraZeneca Impfstoff wurde von der Landesregierung die Priorisierung aufgehoben, es kann sich mittlerweile jeder impfen lassen der möchte. Falls Sie bereits bei uns registriert sind möchte ich Sie bitten sich nochmal zu melden wenn Sie vorrangig geimpft werden wollen.

 

Das Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen sinkt mit dem Alter, man geht von folgenden Zahlen aus (Aufzeichnungen von Dr. Wirth/Bayreuth):
Das Risiko laut Vortrag von Dr. Bollinger (Klinikum Bayreuth GmbH) für Sinusvenenthrombose nach Impfung mit AstraZeneca Impfstoff bei Frauen unter 60  1:50.000, bei Männern 1:100.000.

Das Risiko beträgt somit bei 1 Mio. Impfungen bei Frauen unter 60 ca. 20 Sinusvenenthrombosen mit geschätzt 10 Todesfällen versus 1.000 Todesfällen bei 1 Mio Covid-Infektionen in diesem Kollektiv.

Bei über 60-jährigen sind nur knapp 10% der bekannten Fälle von Sinusvenenthrombosen aufgetreten (dies entspricht etwa 1 Fall auf 1 Million Impfungen), in diesem Patientenkollektiv kommt es jedoch signifikant häufiger zu schweren Verläufen.

Laut einer Risikoberechnung der Universität Cambridge liegt für 60- bis 69-Jährige in einem britischen Hochrisikogebiet das Risiko, binnen 16 Wochen mit Covid-19 auf eine Intensivstation zu müssen, demnach mehr als 600 mal höher als das Risiko einer Hirnthrombose nach einer Impfung mit AstraZeneca.

 

Vor diesem Hintergrund ist es aus meiner Sicht auch ein Stück gesellschaftliche Solidarität, wenn sich Menschen über 60 mit dem sehr gut wirksamen Impfstoff von AstraZeneca impfen lassen. Ich handhabe es in meiner Praxis so, dass wenn der AstraZeneca Impfstoff von Patienten über 60 abgelehnt wird diese erst wieder ein Impfangebot bekommen, wenn in der jeweiligen Priorisierungsgruppe sonst alle (auch die jüngeren) geimpft sind. Ich habe meine Eltern ebenfalls mit dem AstraZeneca Impfstoff geimpft, es gibt bei mir keine (vermeintliche) Rosinenpickerei. Ich verimpfe nach Kategorie und Reihenfolge der Anmeldung, wenn in einer Woche Biontech Impfstoff geliefert wird, werden natürlich auch Menschen über 60 Jahren damit geimpft, aber eben nicht alle, die Verteilung erfolgt rein zufällig.

 

Ein politischer Skandal ist natürlich, dass diese Überzeugungsarbeit nun alleinig uns Hausärzten aufgebrummt wurde, da der Impfstoff in den Impfzentren nicht mehr benutzt wird, eine Entscheidung die ich weder verstehe noch für klug halte. Dies führt dazu, dass manche älteren Patienten die angebotene Impfung beim Hausarzt nicht annehmen, auf eine Impfung mit einem der mRNA Impfstoffe im Impfzentrum warten und damit die Impfung der jüngeren Menschen verzögern – ein Verhalten, was letztlich zu Lasten der persönlichen Freiheit von uns allen geht, insbesondere derer die außer durch Herdenimmunität noch nicht geschützt werden können – der Kinder.