Häufige Fragen zum AstraZeneca Impfstoff:

 

Mein Nachbar ist in der gleichen Priorisierungsgruppe wie ich, ist aber mit Biontech oder Moderna geimpft worden, warum muss ich jetzt den AstraZeneca Impfstoff nehmen?

 

Das Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen sinkt mit dem Alter, siehe auch hier.

Vor diesem Hintergrund ist es aus meiner Sicht auch ein Stück gesellschaftliche Solidarität, wenn sich Menschen über 60 mit dem sehr gut wirksamen Impfstoff von AstraZeneca impfen lassen. Ich handhabe es in meiner Praxis so, dass wenn der AstraZeneca Impfstoff von Patienten über 60 abgelehnt wird diese erst wieder ein Impfangebot bekommen, wenn in der jeweiligen Priorisierungsgruppe sonst alle (auch die jüngeren) geimpft sind. Ich habe meine Eltern ebenfalls mit dem AstraZeneca Impfstoff geimpft, es gibt bei mir keine (vermeintliche) Rosinenpickerei. Ich verimpfe nach Kategorie und Reihenfolge der Anmeldung, wenn in einer Woche Biontech Impfstoff geliefert wird, werden natürlich auch Menschen über 60 Jahren damit geimpft, aber eben nicht alle, die Verteilung erfolgt rein zufällig.

Ein politischer Skandal ist natürlich, dass diese Überzeugungsarbeit nun alleinig uns Hausärzten aufgebrummt wurde, da der Impfstoff in den Impfzentren nicht mehr benutzt wird, eine Entscheidung die ich weder verstehe noch für klug halte. Dies führt dazu, dass manche älteren Patienten die angebotene Impfung beim Hausarzt nicht annehmen, auf eine Impfung mit einem der mRNA Impfstoffe im Impfzentrum warten und damit die Impfung der jüngeren Menschen verzögern – ein Verhalten, was letztlich zu Lasten der persönlichen Freiheit von uns allen geht, insbesondere derer die außer durch Herdenimmunität noch nicht geschützt werden können – der Kinder.

 

 

Wirkt der Impfstoff von AstraZeneca schlechter als die von Biontech und Moderna?

 

In der Zulassungsstudie wurde eine Wirksamkeit von 70% (im Gegensatz zu 95% beim Biontech Impfstoff) beschrieben. Dies heißt nicht, dass 30% der Geimpften erkranken werden, sondern dass in der geimpften Gruppe 70% weniger Erkrankungen aufgetreten sind, als in der Gruppe der Nichtgeimpften. Das entscheidende aber ist, dass in der Gruppe der geimpften kein einziger Patient ins Krankenhaus musste, also ein Schutz von nahezu 100% gegen schwere Verläufe und Tod besteht. Im Vergleich zu anderen schon lange zugelassenen Impfstoffen ist dies ein hervorragender Wert. Erst kürzlich wurden Daten aus der Impfkampagne in den USA veröffentlicht. Da zeigte sich eine Wirksamkeit von 79% und eine 100%-iger Schutz gegen schwere Verläufe  über alle Altersklassen hinweg - aus meiner Sicht sehr ermutigende Daten.

 

Ist der Impfstoff für meine Altersgruppe überhaupt zugelassen?

In der Zulassungsstudie wurden leider nur wenige Menschen über 65 Jahre eingeschlossen, weswegen die ständige Impfkommission (STIKO) in Deutschland aufgrund fehlender Daten zunächst keine Empfehlung für diesen Impfstoff in der Altersgruppe ab 65 ausgesprochen hat. Die Zulassung durch die europäische Arzneimittelagentur besteht jedoch ab 18 Jahre ohne Altersbegrenzung. Mittlerweile konnten Daten aus dem britischen Impfprogramm zweifelsfrei belegen, dass der Impfstoff auch in der Gruppe der über 65-jährigen vor Krankenhauseinweisung und Tod zu über 90% schützt. Nach der ersten Impfung besteht bereits ein bis zu 80%-iger Schutz (im übrigen schneller und besser als beim Biontech-Impfstoff). Mittlerweile empfiehlt die STIKO die Impfung für alle Altersgruppen ab 18.

 

Kann ich nach der Impfung noch ansteckend sein?

Erste Daten deuten darauf hin, dass bereits nach der 1. Impfung es zu einer deutlichen Reduktion der Ansteckungsrate der (sehr wenigen) trotz Impfung infizierten Menschen kommt, bis jedoch genaue Daten vorliegen, sollte man sich und andere weiterhin mit den AHA-Regeln schützen.

 

Macht der Impfstoff starke Nebenwirkungen?

In der Tat kommt es bei dem AstraZeneca Impfstoff häufig (bis 30% der Geimpften) zu allgemeinen Nebenwirkungen wie Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, Schüttelfrost oder Fieber. Dies zeigt eine Immunreaktion des Körpers an und vergeht nach 1-3 Tagen wieder. Bei älteren Patienten verlaufen die Nebenwirkungen häufig milder. Schwere Nebenwirkungen wie Allergien sind sehr selten (siehe unten). Spätfolgen sind bei keiner Impfung ausgeschlossen, dies halte ich allerdings für sehr unwahrscheinlich.

 

Bin ich gefährdet eine Thrombose durch den Impfstoff zu erleiden?

Es zeigte sich im Rahmen der Impf-Nachüberwachung, dass es signifikant gehäuft zu sogenannten Sinus-Venenthrombosen (Thrombosen im Bereich der Gehirnvenen) gekommen ist. Sie traten in Deutschland Stand heute bei ca. 60 Personen bei ca. 4,5 Millionen verimpfter Dosen aus. Diese Form von Thrombose ähnelt in Ihrer Symptomatik einem Schlaganfall, geht mit Kopfschmerzen, Schwindel, Bewusstseinstrübung einher. Die Thrombose entsteht durch ein Autoimmunphänomen, bei dem sich Antikörper gegen Blutplättchen bilden können (diese Nebenwirkung ist z.B. bei Heparinspritzen ebenfalls bekannt) wodurch diese aktiviert werden und ein Blutgerinnsel entsteht. Weitere Nebenwirkungen durch dieses Phänomen können Hauteinblutungen durch reduzierte Blutplättchen sein. Bis jetzt waren hauptsächlich Frauen unter 55 Jahren betroffen, bei dieser Personengruppe sollte eine strenge Risiko-Nutzen-Abwägung vorgenommen werden. Bei den älteren Patienten halte ich die Gefahr für sehr gering, der Nutzen durch Verhinderung schwerer Covid19- Verläufe ist bei Patienten über 60 Jahren sehr hoch, so dass ich dieser Patientengruppe die Impfung grundsätzlich empfehlen kann.