Offener Brief an Minister Spahn - Impfstoff von Biontech nicht mehr verfügbar

Sehr geehrter Herr Bundesminister (geschäftsführend) Spahn,
Die kurzfristige Entscheidung der Bundesregierung nunmehr nur noch eine begrenzte Anzahl an Biontech Impfdosen zur Verfügung zu stellen stellt unsere Hausarztpraxis vor erneut unnötige und belastende logistische Herausforderungen. In der Pandemie kam es bereits in der Vergangenheit zu andauernden Änderungen der Regelungen, die teilweise noch vor Verkündung umgesetzt werden mussten und einen wirklich unglaublichen Aufwand für uns Hausärzte und vor allem auch unsere Mitarbeiterinnen bedeuteten.
Nun werden, statt in der Impfkampagne Hürden abzubauen, die nächsten aufgestellt. Bis Weihnachten wurden von unserer Praxis bereits mehrere hunderte Termine zur Erst- und Auffrischungsimpfung vergeben, häufig mit der ausdrücklichen Bitte der Patienten erneut mit dem Biotech Impfstoff geimpft zu werden, was von uns natürlich bestätigt wurde. Die Aussicht, allen diesen Menschen nun mitzuteilen, dass dies nunmehr nicht möglich ist, die Termine der unter 30-jährigen, die ja nicht mehr mit dem Moderna Impfstoff geimpft werden sollen, besonders zu bündeln, ggf. diese Termine zu verschieben und v.a. die vielen Gespräche und extra Aufklärungen (welche natürlich in der Terminplanung zeitlich nicht mit einberechnet wurden) bedeutet weitere vergeudete Arbeitszeit für uns, welche wir auch aufgrund der zunehmenden ambulanten Versorgung der wachsenden Anzahl an Covid erkrankten Patienten und der allgemeinen Infektwelle nicht haben. Auch die Gefahr von Fehlern und Verwechslungen steigt deutlich an, wenn mit verschiedenen Impfstoffen an einem Impftag gearbeitet werden muss.
Einige hausärztliche Kollegen haben sich aus dem Impfprogramm bereits jetzt zurückgezogen aufgrund der aufwendigen Aufklärung und Dokumentationspflicht. Sollte diese Entscheidung der Bundesregierung Bestand haben werde auch ich mir überlegen müssen, ob ich diese aus meiner Sicht dringende Aufgabe weiter leisten kann. Nochmal, die Hauptlast tragen meine Mitarbeiterinnen, denen von der Politik außer warmen Worte bis jetzt kein Stück Wertschätzung entgegengebracht wurde (Stichwort staatlicher MFA-Bonus), im Gegenteil diese Aktion hat zu immenser Frustration in meinem Team geführt , welches mit unzähligen Überstunden und Mehrarbeit diese wichtige Aufgabe planen und durchführen und bereits jetzt an der Grenze der Belastbarkeit stehen.
Ich bin wirklich sehr frustriert und enttäuscht über diese Art und Weise wie mit uns und unseren Ressourcen umgegangen wird und fordere eine sofortige Revision dieser Entscheidung. 



Mit freundlichen Grüßen

Christopher Jahreiß